Texte für Firmenwebseite schreiben: So reden Sie wie Ihr Kunde

Wissen Sie, warum Kunden Ihre Webseite besuchen und trotzdem nicht anrufen? Oft liegt es nicht am Design, nicht an den Farben, nicht an den Bildern. Es liegt an den Texten. Wer Texte für die Firmenwebseite schreiben will, steht vor einer unterschätzten Aufgabe.
Viele Handwerker-Webseiten klingen so: “Wir bieten umfassende Lösungen im Bereich Heizungstechnik und Sanitärinstallation, spezialisiert auf hydraulische Abstimmung und energieeffiziente Anlagentechnik.” Ein Hausbesitzer, dessen Heizung tropft, fragt sich: Hilft mir das jetzt weiter? Wer es nicht sofort erkennt, ruft den nächsten Treffer an.
Das passiert täglich, tausendfach. Das gilt für Handwerker genauso wie für kleine Unternehmen und KMU. Sie schreiben ihre Webseitentexte in der Sprache, die sie vom Betrieb kennen. Kunden denken aber anders. Sie suchen Lösungen für konkrete Probleme, keine Fachbegriffe.
Texte für die Firmenwebseite: Warum Fachsprache schadet
Sie kennen Ihr Handwerk in- und auswendig. Sie wissen, was eine “Kernbohrung” ist, was “Trockenbau nach DIN 4103” bedeutet und wann eine “hydraulische Abstimmung” nötig wird. Ihre Kunden wissen das nicht. Sie müssen es auch nicht wissen.
Wenn jemand bei Google sucht, tippt er sein Problem ein. “Wand feucht was tun.” “Bad renovieren Kosten.” “Fenster beschlagen von innen.” Niemand sucht nach “hygrothermische Sanierungskonzepte” oder “Fensterbau nach EnEV.”
Trotzdem stehen genau solche Begriffe auf vielen Firmenwebseiten. Der Grund ist verständlich: Handwerker beschreiben ihre Arbeit so, wie sie im Betrieb darüber sprechen. Mit Kollegen, auf der Baustelle, im Innungstreffen. Nur ist Ihre Webseite keines dieser Gespräche. Ihre Webseite ist ein Gespräch mit einem Laien, der ein Problem hat und jetzt eine Lösung sucht.
Wenn der Besucher Ihre Texte nicht auf Anhieb versteht, klickt er weg. Meistens innerhalb von zehn Sekunden. Und er kommt nicht wieder.
So schreiben viele Firmen
- Heizungstechnische Wartung
- Komplettbadsanierung
- Hygrothermische Analyse
- Fensterbau nach EnEV
So suchen Kunden
- Heizung macht komische Geräusche
- Bad renovieren Kosten
- Wand feucht was tun
- Fenster beschlagen von innen
So finden Sie heraus, was Ihre Kunden wirklich suchen
Bevor Sie einen einzigen Satz umschreiben, brauchen Sie eine ehrliche Bestandsaufnahme. Welche Fragen stellen Ihre Kunden am Telefon? Welche Begriffe benutzen sie, wenn sie ihr Problem beschreiben?
Drei Methoden helfen dabei sofort weiter: Führen Sie eine Woche lang ein Telefon-Tagebuch und notieren Sie, mit welchen Worten Kunden ihr Anliegen schildern. Nicht die Fachbegriffe, die Sie im Kopf übersetzen, sondern die tatsächlichen Formulierungen. Tippen Sie Ihre Leistung außerdem bei Google Autocomplete ein und schauen Sie, welche Vorschläge automatisch erscheinen. Das sind echte Suchanfragen echter Menschen. Und dann lesen Sie Ihre Google-Bewertungen, am besten auch die Ihrer Mitbewerber. In diesen Texten steht oft wörtlich, was Kunden wichtig ist und wie sie selbst darüber sprechen.
Sie werden feststellen: Kunden reden selten über “Gewerke” oder “Leistungsspektren.” Sie reden über tropfende Wasserhähne, kalte Räume und schiefe Zäune.
Vorher-Nachher: So klingen Texte, die Kunden ansprechen
Sehen Sie hier typische Sätze von Firmenwebseiten und direkt daneben eine Version, die tatsächlich ankommt.
Vorher: “Wir führen Sanitärinstallationen im Neubau und Bestand durch.” Nachher: “Wir reparieren Ihre Heizung, installieren Ihr neues Bad und kümmern uns um alle Wasserleitungen in Ihrem Haus.”
Vorher: “Unser Leistungsspektrum umfasst die fachgerechte Verlegung von Fliesen und Naturstein.” Nachher: “Sie wollen ein neues Bad oder einen neuen Küchenboden? Wir verlegen Fliesen und Naturstein, passgenau und sauber.”
Vorher: “Kompetente Beratung und termingerechte Ausführung zeichnen unseren Betrieb aus.” Nachher: “Sie erreichen uns persönlich am Telefon. Und wenn wir Dienstag sagen, stehen wir Dienstag vor Ihrer Tür.”
Das Muster ist immer dasselbe: weg von der Selbstbeschreibung, hin zum konkreten Nutzen für den Kunden. Statt zu erklären, was Sie können, zeigen Sie, was der Kunde davon hat.
So nicht
- Wir führen Sanitärinstallationen im Neubau und Bestand durch.
- Kompetente Beratung und termingerechte Ausführung zeichnen unseren Betrieb aus.
- Unser Leistungsspektrum umfasst die fachgerechte Verlegung von Fliesen und Naturstein.
Besser so
- Wir reparieren Ihre Heizung, installieren Ihr neues Bad und kümmern uns um alle Wasserleitungen in Ihrem Haus.
- Sie erreichen uns persönlich am Telefon. Und wenn wir Dienstag sagen, stehen wir Dienstag vor Ihrer Tür.
- Sie wollen ein neues Bad oder einen neuen Küchenboden? Wir verlegen Fliesen und Naturstein, passgenau und sauber.
Fünf Regeln für Texte, die Ihre Kunden verstehen
Diese fünf Grundsätze helfen Ihnen beim Überarbeiten Ihrer Texte:
1. Schreiben Sie, wie Sie sprechen. Lesen Sie jeden Satz laut vor. Würden Sie das so am Telefon sagen? Falls nicht, formulieren Sie ihn um. Gute Website-Texte klingen wie ein freundliches Beratungsgespräch.
2. Ein Gedanke pro Satz. Vermeiden Sie lange Sätze mit mehreren Nebensätzen. “Wir bauen Ihr Bad um. Von der ersten Beratung bis zur letzten Fliese.” Das reicht.
3. Benennen Sie den Nutzen. Nicht: “Wir verwenden ausschließlich hochwertige Materialien.” Sondern: “Ihre neuen Fenster halten 30 Jahre, weil wir nur geprüfte Markenprodukte einbauen.”
Weitere typische Fehler auf Firmenwebseiten, die Anfragen verhindern, finden Sie in unserem Artikel über die 7 häufigsten Fehler auf Handwerker-Webseiten.
4. Vermeiden Sie Worthülsen. “Qualität”, “Kompetenz”, “Innovation”, “langjährige Erfahrung.” Diese Wörter stehen auf jeder zweiten Handwerker-Webseite. Sie sagen nichts aus. Ersetzen Sie sie durch konkrete Fakten: “Seit 2005 haben wir über 300 Bäder in Dresden und Umgebung renoviert.”
5. Schreiben Sie für Ihren Ort. Wenn Sie in Freital arbeiten, schreiben Sie “in Freital und Umgebung.” Kunden suchen lokal. Google zeigt lokale Ergebnisse. Und ein Satz wie “Ihr Dachdecker für das Weißeritztal” wirkt persönlicher als “Ihr regionaler Dachdeckerbetrieb.”
- Laut vorgelesen: Klingt es wie ein Telefongespräch mit einem Kunden?
- Nutzen benannt: Was hat der Kunde konkret davon?
- Keine Worthülsen: Konkret statt "Qualität", "Kompetenz", "Erfahrung"?
- Ortsname genannt: Steht Ihre Region im Text, damit Google Sie findet?
- Handlungsaufforderung: Weiß der Besucher, was er als nächstes tun soll?
Vergessen Sie die Startseite nicht
Die meisten Firmeninhaber investieren Mühe in ihre Leistungsseiten und vergessen die Startseite. Dabei ist die Startseite oft die erste Seite, die ein Besucher sieht. Und häufig die einzige.
In den ersten fünf Sekunden muss ein Besucher drei Dinge erfassen können: Was machen Sie? Wo machen Sie das? Und wie erreiche ich Sie?
Prüfen Sie das mit einem einfachen Test: Zeigen Sie Ihre Startseite einem Bekannten, der nichts mit Ihrem Gewerk zu tun hat. Kann er nach drei Sekunden sagen, was Ihr Betrieb macht? Falls nicht, brauchen Ihre Texte eine Überarbeitung. Warum dieser erste Eindruck über Anfragen entscheidet, erklären wir ausführlich im Ratgeber Warum Ihre Webseite keine Anfragen bringt.
Vermeiden Sie auf der Startseite alles, was nach Broschüre klingt. Kein “Herzlich willkommen auf unserer Homepage.” Kein “Wir freuen uns über Ihren Besuch.” Stattdessen direkt: “Heizung kaputt? Wir reparieren sie. Heute anrufen, morgen warm.”
Fazit: Schreiben Sie nicht für sich, sondern für Ihre Kunden
Gute Texte für Ihre Firmenwebseite entstehen nicht in einer Stunde. Aber der Aufwand lohnt sich. Jeder Satz, den ein Kunde versteht, bringt ihn einen Schritt näher zum Anruf.
Fangen Sie heute an. Nehmen Sie sich eine einzige Seite vor, zum Beispiel Ihre Startseite oder Ihre wichtigste Leistungsseite. Lesen Sie den Text laut vor. Streichen Sie alles, was nach Fachvortrag klingt. Schreiben Sie stattdessen das, was Sie einem Kunden am Telefon sagen würden.
